VITA

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1977 stand ich im Alter von 6 Jahren das erste Mal singend auf einer Bühne.

Darauf folgten einige Jahre klassischer Klavierunterricht.

Musik erlebte ich schon früh als den ursprünglichsten, direktesten Ausdruck, und als ich Jazz entdeckte, fühlte ich mich sofort darin zu Hause.

Mit 15 begann ich Portraits zu zeichnen und lauerte vor dem Fernseher im Spätprogramm auf Jazzkonzerte, angezogen von dem tranceartigen Ausdruck der Musiker, den ich zu skizzieren versuchte.

Folglich landete ich im Alter von 16 mit Skizzenblock unterm Arm in meinem ersten Jazzclub, der Kutsch in Frankfurt Sachsenhausen. Hier fanden sich auf engstem Raum viele Musiker ein, die miteinander jammten.

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Josef Letmany, Piano (1987)

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Unbekannter Gastmusiker (1988)

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Conny Scheffel, Piano (1989)

Schnell war ich durch die Frankfurter Jazzszene bestens behütet und gehörte irgendwie dazu.

Eines Abends trat die amerikanische Jazzsängerin Cynthia Utterbach in der Kutsch auf. Sie fragte „any requests?“ und ich wünschte mir „Route 66“, sicher, dass dieser bekannte Blues fester Bestandteil Ihres Repertoires sein würde.
Sie sagte, ihr sei der Text entfallen, worauf ich ihr die ersten Zeilen zitierte.
Daraufhin reichte sie mir das Mikrophon und sagte, „if you know the words you sing it“. Das tat ich. Später wurde ich ihre Schülerin.

Von nun an luden mich die Musiker bei den Sessions auf die Bühne, und schleichend wechselte ich vom Skizzenblock zum Mikrophon, lernte Songtexte auswendig und kümmerte mich um transponierte Sheets.

Der Bassist Götz Ommert rief mich an, wenn er auf Hochzeiten o.ä. gebucht war, nahm mich mit, und liess mich hier und da ein paar Titel singen. Er motivierte mich, das Ganze nicht nur als Hobby zu sehen und gab mir die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln. Mit jedem Job lernte ich weitere Musiker kennen, wurde immer öfter für Veranstaltungen dazugebucht und sang auf allen möglichen Sessions.

Nach meinem Abitur folgte eine ereignisreiche, ruhelose Zeit, die mich nach ein paar Studienfach-Verirrungen über den Umweg des klassischen Gesangs bei Prof. McLane-Lanier (HfMDK Frankfurt) schließlich zum Hauptfach Jazzgesang brachte.

Zusätzlich zu diesem Studium absolvierte ich die 3-jährige Ausbildung zur funktionalen Stimmtherapeutin bei Michael Heptner in Bielefeld und die 4-jährige Ausbildung zum Certified Rabine Teacher bei Prof. Eugene Rabine, der bis heute mein bester Lehrer war und dessen Methode mich stark in meiner Arbeit beeinflusst hat.

1994 wurde das erste Trio Royal geboren. Es folgten weitere Trio Royals und Duo Royals, weitere Bandprojekte, doch die meisten meiner Engagements bis heute waren in keinem festen Bandkontext.

Realistischerweise gibt es im Jazz meist One-Night-Bands, denn wenn man die Musik zum Beruf macht, und für einen bestimmten Termin angefragt wird, ist entscheidend, welcher Musiker an diesem Tag noch frei ist. So setzen sich häufig wechselnde Besetzungen aus einem größeren Musikerkreis zusammen. Nicht selten muss man fremde Musiker anfragen, die einem empfohlen wurden, und versetzt Veranstalter in Schockstarre, wenn sich die Band erst beim Gig kennenlernt.

Ich schätze es sehr, wenn man gut miteinander eingespielt ist, sich kennt, mehr Freiheiten hat, weil man sich versteht, mehr in die Tiefe gehen kann.
Doch es ist auch spannend, abwechslungsreich und erfrischend, in wechselnden Besetzungen zu musizieren, vorausgesetzt, die Musiker passen zusammen, und der Rahmen lässt differenzierte Töne zu.

Entscheidend ist für mich nach wie vor, mit jedem Song eine Geschichte zu erzählen, die Zuhörer auf eine kleine Reise mitzunehmen, Gefühle zu vertonen.